Erstgespräch
Ratgeber

Marketing zur Praxisgründung: gefunden werden, bevor die Tür aufgeht.

Eine neue Praxis hat keine Stammpatienten, keine Bewertungen und bei Google noch keine Geschichte. Ob die ersten Wochen voll werden, entscheidet sich deshalb Monate vor der Eröffnung. Wir zeigen, in welcher Reihenfolge Name, Website, Google-Profil und Eröffnungsanzeige fertig sein sollten, was Ärzte zur Eröffnung bewerben dürfen und wie die ersten Patienten in den Monaten danach zu Stammpatienten werden.

Ausgangslage

Warum Marketing bei der Gründung anders funktioniert.

Eine eingeführte Praxis lebt von Empfehlungen, Bewertungen und Patienten, die seit Jahren kommen. Eine neue Praxis hat nichts davon. Wer in der Nachbarschaft nach einem Arzt Ihres Fachs sucht, findet am Eröffnungstag zuerst die Praxen, die Google seit Jahren kennt. Marketing zur Praxisgründung heißt deshalb vor allem: diesen Rückstand so früh wie möglich verkürzen.

Das gelingt nicht mit großen Werbekampagnen, sondern mit Grundlagen, die rechtzeitig stehen. Patienten, die eine Anzeige oder ein Schild sehen, suchen die Praxis danach im Netz. Finden sie dort nichts oder nur eine Baustelle, ist der erste Eindruck verloren. Deshalb kommen Website und Google-Unternehmensprofil vor jeder bezahlten Werbung.

Bei einer Übernahme ist die Lage eine andere. Der Patientenstamm ist da, die Aufgabe heißt halten. Die alte Website, die Telefonnummer und das Google-Profil sollten deshalb nicht einfach abgeschaltet, sondern übernommen und angepasst werden. Was bei einer Übernahme sonst zu beachten ist, steht im Beitrag Praxisübernahme.

Fahrplan

Von sechs Monaten vorher bis sechs Monate danach.

Die Zeiträume sind Richtwerte. Den Takt gibt die Zulassung vor. Erst wenn der Eröffnungstermin feststeht, lohnt es sich, ihn öffentlich zu machen.

ZeitpunktWas fertig sein sollteWarum
6 bis 4 Monate vorherPraxisname, Logo, Farben, Domain und E-Mail-AdressenSchild, Stempel, Drucksachen und Website bauen darauf auf. Ein Name, der später geändert werden muss, kostet alles doppelt. Ein Blick ins Markenregister vorher ist kostenlos.
3 Monate vorherWebsite mit Eröffnungsdatum, Fachgebiet, Adresse und Kontakt. Google-Unternehmensprofil mit Eröffnungsdatum anlegen und bestätigen. Stellenanzeigen für das TeamGoogle zeigt ein bestätigtes Profil 90 Tage vor dem eingetragenen Eröffnungsdatum an. Die Website sammelt in dieser Zeit erste Signale, und Bewerber finden die Praxis.
6 bis 4 Wochen vorherSprechzeiten, Leistungen und Terminbuchung auf der Website. Profile auf den wichtigen Arztsuchen. Praxisschild und Drucksachen. Vorstellung bei Kollegen im UmfeldAb jetzt rufen die ersten Patienten an oder buchen online. Überweisende Ärzte, Apotheken und Therapiepraxen in der Nähe wissen, an wen sie verweisen können.
EröffnungswocheSachliche Eröffnungsanzeige in Lokalzeitung oder Gemeindeblatt. Auf Wunsch ein Tag der offenen TürDie Anzeige erreicht Menschen, die nicht aktiv suchen. Wer sie liest, findet Website und Profil vollständig vor.
Erste 6 MonateBewertungen erbitten, Profil pflegen, erfassen, woher neue Patienten kommen. Danach entscheiden, ob Anzeigen sinnvoll sindIn dieser Zeit entsteht die Grundlage, auf der die Praxis in den Suchergebnissen langfristig steht.

Den Gesamtablauf der Gründung mit Zulassung, Finanzierung, IT und Personal beschreibt der Beitrag Praxisgründung, Schritt für Schritt.

Rechtlicher Rahmen

Was zur Eröffnung erlaubt ist und was nicht geht.

Erlaubt und üblich

  • Eine sachliche Eröffnungsanzeige in Zeitung oder Gemeindeblatt mit Name, Fachgebiet, Adresse, Sprechzeiten und Kontakt.
  • Website und Google-Unternehmensprofil schon vor der Eröffnung, mit dem geplanten Datum.
  • Sich bei Hausärzten, Fachkollegen, Apotheken und Therapiepraxen im Umfeld vorzustellen und Kontaktdaten zu hinterlassen.
  • Ein Tag der offenen Tür, an dem Sie Räume, Team und Leistungen zeigen.

Heikel oder verboten

  • Rabatte, kostenlose Untersuchungen oder Geschenke als Anreiz. Das Heilmittelwerbegesetz lässt Zuwendungen nur in engen Grenzen zu.
  • Vorteile jeder Art für Überweisungen. Das untersagt die Berufsordnung, und es kann strafbar sein.
  • Bewertungen von Familie, Freunden oder dem eigenen Team. Das ist irreführend und kann abgemahnt werden.
  • Begriffe wie Zentrum, Institut oder Spezialist, wenn Größe oder Qualifikation sie nicht tragen.

Für die Eröffnung gelten dieselben Regeln wie für jede andere Werbung einer Arztpraxis: sachlich informieren ja, anpreisen nein. Was im Einzelnen erlaubt ist, von der Anzeige bis Instagram, steht im Beitrag Werbung für die Arztpraxis.

Grundlagen

Die zwei Bausteine, die zuerst stehen müssen.

Die Website

Zur Eröffnung muss die Website nicht vollständig sein, aber die Fragen beantworten, mit denen Patienten kommen: Wer ist die Praxis, welches Fach, wo genau, ab wann, zu welchen Zeiten und wie bekomme ich einen Termin. Dazu gehören ab dem ersten Tag ein vollständiges Impressum und eine Datenschutzerklärung, auch wenn die Praxis noch nicht geöffnet hat.

Bewährt hat sich, die Website in zwei Stufen zu planen. Zuerst eine kompakte Fassung mit Eröffnungsdatum, Team, Leistungen und Kontakt, die früh online geht. Kurz vor dem Start kommen Sprechzeiten, Anfahrt, Fotos der fertigen Räume und die Online-Terminbuchung dazu.

Das Google-Unternehmensprofil

Für viele Patienten ist das Profil in Google Maps der erste Kontakt mit der Praxis. Google erlaubt ein Eröffnungsdatum bis zu einem Jahr im Voraus und zeigt das bestätigte Profil 90 Tage vor diesem Datum an. Wählen Sie die Kategorie, die Ihr Fach genau beschreibt, und achten Sie darauf, dass Name, Adresse und Telefonnummer auf Website, Profil und Arztsuchen Zeichen für Zeichen gleich sind. Abweichungen kosten Vertrauen bei Patienten und bei Suchmaschinen.

Dieselben Angaben nutzen auch KI-Assistenten, wenn sie nach einer Praxis gefragt werden. Wie das zusammenhängt, steht im Beitrag KI-Sichtbarkeit für Arztpraxen.

Wie wir die Website für Ihre Gründung planen, mit einer ersten Fassung Monate vor dem Start und der vollständigen Seite zum Eröffnungstag, steht auf Website zur Praxisgründung.

Nach der Eröffnung

Die ersten sechs Monate nutzen.

Nach dem Start entscheidet sich, ob aus ersten Besuchen Stammpatienten und Empfehlungen werden. Drei Dinge bringen in dieser Phase am meisten.

01

Bewertungen erbitten

Eine neue Praxis ohne Bewertung wirkt unsicher, auch wenn sie gut ist. Bitten Sie Ihre Patienten aktiv darum, etwa mit einer kleinen Karte am Empfang, die direkt zum Profil führt. Und zwar alle, nicht nur die, bei denen Sie ein gutes Urteil erwarten. Ohne Gegenleistung und ohne Bewertungen aus dem eigenen Umfeld.

02

Herkunft erfassen

Eine freiwillige Frage im Anmeldebogen, wie Patienten auf die Praxis aufmerksam geworden sind, zeigt nach wenigen Wochen, was wirkt. Google, Empfehlung, Überweisung, Anzeige oder Schild. Ohne diese Zahl wird jede weitere Entscheidung zum Raten.

03

Gezielt nachsteuern

Erst wenn klar ist, woher Patienten kommen, lohnt Geld für mehr. Bezahlte Anzeigen für eine konkrete Leistung, ein Ratgeberthema auf der Website oder ein Kanal in den sozialen Medien, wenn jemand im Team Zeit dafür hat.

Die Arztsuchen nicht vergessen

Neben Google suchen Patienten auf Bewertungs- und Buchungsportalen. Prüfen Sie nach dem Start, ob Ihre Praxis dort richtig steht, mit aktuellen Sprechzeiten und dem richtigen Fachgebiet. Welche Portale Reichweite haben und was Sie dort selbst steuern können, steht im Überblick Arztbewertungsportale. Für Social Media gelten eigene Regeln zu Patientenbildern und Kennzeichnung, zusammengefasst in Die Arztpraxis in Social Media.

Was muss Ihre Website zum Eröffnungstag leisten? Die kostenlose Checkliste zur Praxiseröffnung führt Punkt für Punkt durch Inhalte, Pflichtangaben, Terminbuchung und Auffindbarkeit. Zur Checkliste Praxiseröffnung

Häufige Fragen

Was Gründer uns zum Praxismarketing fragen.

Wann sollte ich mit dem Marketing für meine Praxisgründung beginnen?

Praxisname, Logo und Domain sollten etwa sechs Monate vor der Eröffnung feststehen, weil Schild, Drucksachen und Website darauf aufbauen. Website und Google-Unternehmensprofil gehen spätestens drei Monate vorher online. Den genauen Takt gibt die Zulassung vor: Erst wenn der Termin feststeht, lohnt sich ein Eröffnungsdatum auf der Website.

Darf ich die Eröffnung meiner Praxis in der Zeitung bekannt geben?

Ja. Eine sachliche Eröffnungsanzeige mit Name, Fachgebiet, Adresse, Sprechzeiten und Kontakt ist üblich und berufsrechtlich unproblematisch. Heikel wird es erst, wenn die Anzeige anpreist, mit Rabatten lockt oder Begriffe wie Spezialist oder Zentrum ohne Grundlage verwendet.

Kann ich ein Google-Unternehmensprofil schon vor der Eröffnung anlegen?

Ja. Google erlaubt ein Eröffnungsdatum bis zu einem Jahr im Voraus. Nach der Bestätigung des Profils erscheint die Praxis 90 Tage vor diesem Datum in der Suche und auf Google Maps. Wer das Profil erst am Eröffnungstag anlegt, verschenkt diese Zeit und wartet zusätzlich auf die Bestätigung.

Darf ich zur Eröffnung Rabatte oder kostenlose Untersuchungen anbieten?

Davon raten wir ab. Das Heilmittelwerbegesetz lässt Zuwendungen und Werbegaben nur in engen Grenzen zu, und eine kostenlose Untersuchung als Anreiz für neue Patienten fällt in der Regel nicht darunter. Für Privatleistungen kommt hinzu, dass die Berufsordnung verbietet, die Sätze der Gebührenordnung in unlauterer Weise zu unterschreiten. Ein Tag der offenen Tür, an dem Sie Räume, Team und Leistungen vorstellen, ist dagegen möglich.

Wie komme ich als neue Praxis an die ersten Bewertungen?

Indem Sie Ihre Patienten darum bitten, zum Beispiel mit einer kleinen Karte am Empfang, die direkt zum Google-Profil führt. Fragen Sie alle, nicht nur die, von denen Sie ein gutes Urteil erwarten. Google untersagt ausdrücklich, gezielt nur positive Bewertungen einzuholen. Bitten Sie nicht Familie, Freunde oder das Team um Bewertungen und bieten Sie keine Gegenleistung an. Beides ist irreführend, verstößt gegen die Richtlinien der Portale und kann abgemahnt werden.

Brauche ich als Gründer Social Media?

Nicht zum Start. Website und Google-Unternehmensprofil bringen in den ersten Monaten deutlich mehr, weil Patienten dort aktiv nach einer Praxis suchen. Social Media lohnt sich erst, wenn jemand im Team regelmäßig Zeit dafür hat. Ein Kanal, der nach drei Beiträgen verwaist, wirkt schlechter als keiner.

Was kostet Marketing zur Praxisgründung?

Den größten Anteil haben meist Erscheinungsbild und Website, weil sie einmal entstehen und dann über Jahre arbeiten. Google-Unternehmensprofil, Arztsuchen und Bewertungen kosten vor allem Zeit. Laufende Kosten entstehen durch Hosting und Pflege der Website und durch bezahlte Anzeigen. Anzeigen lassen sich jederzeit anpassen oder stoppen und sollten erst laufen, wenn Website und Profil stehen.

Praxismarketing für eingeführte Praxen →

Alle Beiträge im Überblick →

Stand: · Verfasst von Robin Reich

Hinweis: Dieser Beitrag stellt zusammen, wie wir die Anforderungen aus unserer Projektpraxis verstehen und umsetzen. Er ist eine Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Die Berufsordnungen der Kammern weichen in Einzelheiten voneinander ab, maßgeblich ist Ihre Kammer. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an Ihre Kammer oder eine spezialisierte Kanzlei.
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